Senf ist einerseits ein Gewürz, andererseits ein Heilmittel und sollte in Ihren Haushalt immer mehr Anwendung finden, schon allein wegen der heilenden Wirkung

Senf ist einerseits ein Gewürz, andererseits ein Heilmittel, das seit Jahrtausenden verwendet wird.

Als Gewürz sorgt es für leckeren Geschmack, macht fettreiche Speisen verträglicher und verleiht zahlreichen Gerichten das gewisse Etwas.

Senf wird aus den Samenkörnern des Schwarzen Senfs (lat. Brassica nigra), des Weißen Senfes [wegen der weißen Samenkörner] oder des Gelbsenfes [wegen der gelben Blüten] (lat. Sinapis alba) und aus den Braunen Senf (lat. Brassica juncea) hergestellt.

Spricht man von Senf sind nicht die Samenkörner, sondern der sogenannte Speisesenf oder der Mostrich gemeint. Der aus Senfkörnern und weiteren Zutaten produzierte Senf wird im Handel in Tuben, Plastedosen oder Gläsern angeboten.

Heute wird er meist zu Würstchen für einen besseren Geschmack gereicht, dabei steckt in ihm ein vielseitiges Gewürz, was vielen nicht bekannt ist.

Hier möchte ich Ihnen einige Geheimnisse des Senfes präsentieren.

Die Geschichte des Senfes

Wegen seiner Schärfe wurde Senf in China schon vor 3000 Jahren geschätzt. Schon etwa im 4. Jahrhundert kam er nach Griechenland, wo er bereits gegen zahlreiche Leiden eingesetzt wurde.

Mathematiker und Philosophen der Antike befassten sich mit dem Senfkorn. Der berühmte und heute oft zitierte Pythagoras erkannte schon, dass Senf nicht nur die Speisen, sondern auch den Verstand schärft. Bestätigt wurde dies in einer Studie von indischen Forschern aus dem Jahre 2013.

Nach Europa brachten den Senf die Römer, wo er wegen des erschwingliches Preises schnell beliebt wurde. Pfeffer dagegen war so wertvoll, das er mit Gold aufgewogen wurde.

Im Mittelalter war bereits seine heilende Wirkung bekannt, weshalb er in Apotheken verkauft wurde.

Die Nähr- und Vitalstoffe des Senfes

Ein Esslöffel Senfsamen - etwa 10 Gramm - hat 53 kcal.

Die Nährstoffe des Senfes

Gleiche Menge Samen besitzen folgende Nährstoffe:

Tipp 3,2 g Fett
Tipp 2,8 g Eiweiß
Tipp 3,9 g Kohlenhydrate und
Tipp 1,6 g Ballaststoffe

Die Vitalstoffe des Senfes

In gleicher Menge Samen sind folgende Vitalstoffe enthalten:

Tipp 54 µg Vitamin B1 ≙ 4% dTb, wichtig für das Nervensystem
Tipp 790 µg Vitamin B3 ≙ 4,4% dTb, senkt Gesamt- und LDL-Cholesterin
Tipp 2 mg Vitamin E ≙ 13% dTb, wirkt antioxidativ und entzündungshemmend
Tipp 52 mg Calcium ≙ 14% dTb, wichtig für Blutgerinnung, Herz, Knochen, Muskeln
Tipp 37 mg Magnesium ≙ 10% dTb, notwendig für Muskelfunktion
Tipp 20 µg Selen ≙ 37% dTb, Antioxidans, gegen Krebs, Infektionen + Immunabwehr
Tipp 2 mg Eisen ≙ 14% dTb, bindet in roten Blutkörperchen den Sauerstoff.

Erläuterung
dTb = des Tagesbedarfs

Senf und seine Anwendungsmöglichkeiten

Senf und seine innere Anwendung

Mit Senf kann man seinen Vitalstoffbedarf decken. Dann müsste man aber 30 Gramm aus der Tube essen. Das wäre etwas viel.

In Senfsamen sind bis zu 36 Prozent das sogenannte Senföl enthalten, dass aus dem nussigen Pflanzenöl sowie ätherischen Ölen besteht. Im letztgenannten Öl sind Senfölglykoside vorhanden, die mit für den Geschmack sorgen. Erst durch das Schroten und Mahlen und durch Zusetzung von Flüssigkeit wird das im Senf enthaltene Enzym Myrosinase aktiv, dass die Senfölglykoside in verschiedene Stoffe unter anderen in die scharfen, zu Tränen reizenden Isothiocyanate - ebenfalls Senföle - umwandelt, die die Schärfe freisetzen.

Die verschiedenen Senfsorten haben nicht nur unterschiedliche Farben und Schärfegrade, sondern auch verschiedene Senfölglykoside. Es gibt Weißen, Braunen und Schwarzen Senf, bei denen die Senfölglykoside nicht nur Pilze, Bakterien und Viren bekämpfen können, ebenso antientzündliche, wundheilungs-, durchblutungs- und verdauungsfördernde sowie appetitsanregende Eigenschaften besitzen. Auch krebserregende Stoffe sind sie in der Lage zu blockieren bis unschädlich zu machen.

Der Senfsamenextrakt kann auch Darmpolypen - den Vorläufer von Dickdarmkrebs - bis zu 50 Prozent reduzieren und Dickdarmkrebs unschädlich machen. Die Isothiocyanate können das Wachstum von Blasentumoren hemmen. Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass das Glykosid Sinigrin des Schwarzen Senfes effektiver wirke, als das der milden Sorten.

Isothiocyanate sind auch in der Lage krebserregenden Stoffe aus dem Organismus zu entfernen, die bei zu scharf gebratenten Fleisch entstehen. Ebenso senken sie die Cholesterinwerte im Blut.

Senf hat auch verdauungsfördernde Eigenschaften. Er regt den Appetit an und aktiviert die Produktion von Verdauungssäften wie Speichel, Magen- und Gallensaft, womit fettreiche Lebensmittel besser verdaut werden können. Senf wirkt auch gegen Sodbrennen und kann den Magenkeim Helibacter Pylori, der Magengeschwüre und Magenkrebs auslösen kann, abtöten. Auch ist Senf magenfreundlich und spielt eine wichtige Rolle bei den lebensgefährlichen Durchfällen von EHEC-Bakterien, da er bei regelmäßiger Anwendung das Infektionsrisiko verringern kann.

Senf und seine äussere Anwendung

Die in Senf enthaltenen Senfölglykoside wirken ähnlich wie die in Chilischoten vorhandenen Capsaicin. Sie sind hautreizend und fördern somit eine bessere Durchblutung. Damit werden Entzündungen und Schmerzen gelindert.

Bei folgenden Anwendungsgebieten helfen sie:

Tipp Gelenkerkrankungen (wie Arthrose und Rheuma)
Tipp Rückenschmerzen
Tipp Muskelschmerzen
Tipp Zerrungen
Tipp Nackensteifheit
Tipp Nervenentzündungen
Tipp Kopfschmerzen
Tipp Erkältungen und Fieber

In der Naturheilkunde wird bei Arthose durch Auftragen von Senf am Gelenk die gesamte Region erwärmt. Weil nun Wärmeleitung und Schmerzleitung gegeneinander arbeiten, kommen nur wenige Schmerzimpulse im Gehirn an.

Im Falle von Kopfschmerzen kommen die Senfwickel auf die Fusssohlen.

Bei Erkältungen löst Senföl Entzündungen der Nasennebenhöhlen und der Atemwege und wirkt schleimlösend, entzündungshemmend und keimtötend.

Bei äusserlicher Anwendung sollten Sie folgendes beachten:
Niemals sollten Sie Senfauflagen auf empfindliche Körperteile wie Gesicht, Schleimhäute, Brüste, Brustwarzen, Achselhöhlen und Genitalien anwenden, auch nicht länger als 2 Wochen. Denn der Senf könnte zu Hautreizungen, Rötungen und im schlimmsten Fall Verbrennungen der Haut auslösen.

Zu starke Anwendungen wie bei Senfbädern könnte zu Reizungen der Augen und Bronchien führen.

Wenn Sie mit Senfauflagen unerfahren sind, konsultieren Sie vor Beginn Ihren Arzt oder einen Heilpraktiker.

Senfwickel und Senfauflagen
Senfwickel und Senfauflagen sind unkompliziert in der Anwendung und sollten immer aus frischen Zutaten bestehen.
Senfkörner können Sie mit einem handelsüblichen Mörser zermahlen. Das entstandene Senfpulver sollten Sie mit lauwarmen maximal 40 °C warmen Wasser zu einem Brei verrühren. Bestreichen Sie dann ein Leinentuch mit der benötigen Breimenge und legen Sie es dann mit der Breiseite auf die zu behandelnde Stelle. Bei empfindlicher Haut können Sie zwischen Haut und Breituch noch eine Tuchlage dazwischen legen. Wenn ein Wärmegefühl entsteht, sollte zu Beginn die Behandlung nicht länger als 3 bis 5 Minuten betragen und die Höchstbehandlungsdauer 15 Minuten nicht überschreiten. Sollte die Behandlung unerträglich werden, brechen Sie sie ab und waschen Sie die behandelte Stelle ab. Reiben Sie die Stelle mit Hautöl ein und halten Sie die Stelle noch warm.
Tipp: Wärmen Sie die behandelte Stelle in Decken und legen sich zum Entspannen ca. 30 Minuten hin.

Senfbäder
Senfbäder sind sehr wirkungsvoll. Als Fussbad bis zum Knöchel benötigen Sie 2 EL Senfpulver und bis zur Wade die doppelte Menge. Die Dauer des Senfbades sollte 15 bis 20 Minuten betragen und auch nicht überschreiten.

Senfbäder sind gut bei kalten Füssen und bei Migräne.

Senfherstellung und in der Küche

Senf ist nicht gleich Senf, denn durch die unterschiedlichen Sorten und Zubereitung schmeckt er immer anders. Das Grundrezept besteht aus Senfkörnern, Branntweinessig, Wasser und Salz.

Nach der Reinigung der Senfkörner werden sie geschrotet und entölt. Der Schrot wird dann zu einem Brei zermahlen. Sind alle Zutaten beigemischt, bekommt die entstandene Maische Zeit zum Fermentieren, wodurch das typische Aroma entsteht. Durch nochmaliges Mahlen entsteht die Senfpaste. Bei der Senfherstellung sollte die Temperatur maximal 50 °C nicht überschreiten, sonst würden die wertvollen Senföle zerstört.

Das Mischverhältnis entscheidet über die Schärfe des Senfes. Weiße und schwarze Senfkörner ergeben den milderen Speisesenf, hingegen aus den braunen und schwarzen Senfkörnern der extra scharfe Senf hergestellt wird. Durch Zugabe von Gewürzen wie Curry, Estragon, Knoblauch, Meerrettich etc. und Gemüse- und Obstsorten werden die Geschmacksrichtungen entwickelt und weiter konzipiert.

Egal welche Geschmacksrichtung Sie vorziehen, Senf ist nicht nur für Gebratenes wie Rostbrätel oder Bratwurst kreiert worden, sondern er schmeckt auch vorzüglich in Dressings für Salate, in Kombination mit Öl und Essig harmoniert er, er eignet sich auch super für Suppen, Gemüseeintöpfe und Nachspeisen.

Auch im ungeöffneten Zustand sollte Senf im Kühlschrank aufbewahrt werden, denn da werden der Geschmack und die Farbe nicht von Licht und Wärme beeinflusst. Hohe Temperaturen beeinträchtigen die sensiblen Senföle, das besondere Aroma und seine heilende Wirkung. Senfkörner, Senfpulver und Senfsamen sollen immer trocken, kühl und dunkel gelagert werden.

Senf eignet mehr als nur für eine Bratwurst. Senf wirkt wie ein Emulgator und Öl mit Essig verbindet. Senf läßt sich gut zu Suppen verwenden, aber auch zu Senfsauce, Senf-Dill-Sauce, Orangen-Senf-Dressing, Zitronen-Senf-Dressing, Feigen-Senf-Dressing.

Auch die Senfblätter kann man essen. Sie haben einen erfrischenden Geschmack und eine reinigende Wirkung. Ihr regelmäßiger Genuss kann beispielsweise vor Diabetes schützen.

Senfsprosse selbst ziehen

Senfpflanzen können Sie selbst aus den Samen ziehen. Die Samen keimen meist schon nach dem ersten Tag der Aussaat und wachsen schnell, denn Sie können die Pflanzen bereits nach 5 bis 7 Tagen ernten.